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Montag, 24 Juni 2019

Abenteuer Amsterdam

Abenteuer Amsterdam
Eigentlich ist es unmöglich sich zu verfahren. Das behauptet jedenfalls der nette Herr am Bootsverleih und klingt dabei wenig überzeugend. Wenn man nur ein bisschen die Landkarte lesen könne, so meint er weiter, dann komme man genau da an, wo man losgepaddelt sei. Es ginge ja eh immer nur im Kreis herum. Die Worte noch im Gehörgang sollte man die Abbiegung von der Prinsengracht in die Elandsgracht schon lange passiert haben, doch irgendwie ist die nicht in Sicht.

Die vom Spritzwasser gezeichnete Stadtkarte Amsterdams ist da eindeutig. Die rot eingezeichnete Route biegt links ab. Plötzlich wird die gemächliche Grachtentour zum Abenteuer. Denn das, was auf der Karte so eindeutig und symmetrisch wirkt, sieht in Wirklichkeit ganz anders aus.

Es ist ein schöner Frühlingstag. Hollands Hauptstadt präsentiert sich von ihrer schönsten, nämlich der sonnigen Seite. Die kleinen Gassen sind belebt. Jeder versucht einen gemütlichen Platz inmitten der historischen Altstadt an der Amstel zu ergattern. Die Kneipenbesitzer nutzen die schöne Jahreszeit. Dicht gedrängt sitzen die Gäste. In Gespräche vertieft, recken sie von Zeit zu Zeit die Köpfe zur Sonne. Die Atmosphäre ist ansteckend fröhlich und gesellig.

Irgendwie scheinen hier alle Urlaub zu haben. Nirgends anders als auf den Kanälen Amsterdams lässt sich das Flair der Stadt am besten erkunden. Entlang an den prächtigen Häusern und Palais, die reiche Kaufleuten mit viel Liebe zum Schönen bauen ließen, geht die Reise. Die entgegenkommenden Boote erzählen alle ihre eigene Geschichte. Ein Rentnerehepaar hat den kleinen Tisch an Bord der "Bootje" gediegen gedeckt und schippert nun Rotwein trinkend gemächlich die Herengracht hinauf. Eine Gruppe Jugendlicher hat ein großes Bierfass an ihrem Kahn festgemacht und feiert lauthals. Eine Blaskapelle auf Ausflug biegt von der Achtergracht her ein. 20 Mann in einem Boot, mit Tuba und allem, was so dazu gehört. Auf den Brücken drängen sich die Menschen, um das komisch wirkende Schauspiel zu sehen. Selbst die Bier trinkende Jugend hat kurzzeitig den Zapfhahn zugedreht, um den schwimmenden Musikern zuzuschauen. Rechts und links prägen Hausboote das Bild. Neuesten Zählungen nach gibt es bereits über 2 000 in Amsterdam. Viele von ihnen haben augenscheinlich nicht die Absicht, den Anker jemals wieder zu lichten. Einige sind zu schwimmenden Gärten umfunktioniert worden und schon üppig bewachsen, andere sind bunt bemalt und mit allerlei Dekors versehen.

Wer in diesem Moment, versunken in die Schönheit der Stadt und innerlich lächelnd über die skurrilen Ideen so mancher Hausbootsbesitzer gemütlich dahin paddelt, kann ganz schnell aus seinen Träumen gerissen werden. Spätestens dann, wenn wieder einmal ein Schiff voller Touristen hupend und viel zu schnell aus einem Seitenarm geschossen kommt. Dann heißt es nur noch paddeln und lenken. Das Ganze, wenn möglich, auch noch kontrolliert. Als kleines Boot zieht man immer den Kürzeren. Hier gilt groß vor klein. Noch ein Tipp des netten Herren vom Verleih.

Das Grachtensystem entstand im 17. Jahrhundert. So wurde schon im Mittelalter die schnelle Verteilung der Importwaren in der Stadt und zu den Handelskontoren bewerkstelligt. Immer wieder fällt der Blick auf die Häuser, die an architektonischem Einfallsreichtum wohl kaum noch zu überbieten sind. Da sich einst die Steuer nach der Breite der Häuser zur Gracht hin berechnete, sind die meisten Gebäude sehr schmal und hoch.

Rechts, aus der Elandsgracht, kommt ein völlig durchrosteter Kahn mit zwei älteren Herren, die dicke Zigarren rauchen. Ein Blick auf die nun völlig durchnässte Landkarte zeigt, das, wie auch immer, die Richtung wieder stimmt. Am Bootsverleih steht schon der nette Mann und lächelt, als sehe er sich in seiner Prophezeiung vom Vormittag bestätigt. Hier verfährt sich keiner? Von wegen.


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