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Montag, 24 Juni 2019

Souvenir aus Amsterdam

Souvenir aus Amsterdam

Ursprünglich im Stadtteil De Baarsjes als Ordnungsmaßnahme aufgestellt, genießen Kiffverbotsschilder mittlerweile Kultstatus.


Der Erfolg kam über Nacht. Wenn auch anders als erwartet. Kaum hatte der Amsterdamer Stadtteil De Baarsjes Anfang Februar Kiffverbotsschilder aufgestellt, waren einige von ihnen auch schon wieder weg: Gestohlen. Bei Ebay oder in den Wohnungen von diebischen Sammlern tauchten sie wieder auf. Damit war klar: Das Verbotszeichen kam an.


Das „Blowverbod“ war ein gewitzter Schachzug einer alternativen Stadt. Eigentlich nur ein Mosaikstein in einer Kampagne, die massiven Probleme zwischen den zahlreichen Kulturen und Religionen im Viertel De Baarsjes in den Griff zu kriegen. Mit Sicherheit aber der Aufsehen erregendste.


Das Design ist eigentlich viel zu ästhetisch für ein Verbotsschild: Ein Joint zwischen zwei Fingern, dazu drei weiße Haschblätter auf schwarzem Grund, das ganze von roten Verbotskreis umrandet – fertig. So wird das Kiffen auf offener Straße bei einer Geldstrafe von 50 Euro untersagt.


Es wirkte: Zum einen ließ das Haschisch rauchen an den Plätzen des Viertels merklich nach. „Wir haben erst sechs Geldstrafen verhängt. Das Schild ist bei den jungen Leuten sehr beliebt und respektiert“, sagt Ruud Sjoerdsma, ein Sprecher Amsterdams. So beliebt, dass es eben auch zum Diebesgut wurde. Wieder reagierten die Räte von DeBaarsjes sehr schnell und boten das begehrte Verbotsschild zum Verkauf an, 70 Euro kostet das Stück.


Mittlerweile werden kaum noch Schilder geklaut. Stattdessen tritt das Blowverbod-Schild der Amsterdamer Design-Agentur Kochxbos seinen Siegeszug an. In mehreren Ländern sprossen Merchandise-Shops aus dem Boden, die die Verbotsschilder in allen möglichen Formen verhökern, vor allem als Aufkleber und als T-Shirt-Aufdruck.


Die Kundschaft ist sehr bunt: Die Stadt verkaufte das Gros ihrer Schilder an US-Amerikaner, der Händler für Deutschland vor allem an Jugendliche. Hans Bos, der Designer des Originalschildes, weiß von Eltern, die ihre Kinder damit beschenken und sogar von Coffeeshops, die das Blowverbod-Schild vor ihrem Geschäft aufstellen, damit die Kunden ihren Hasch auf jeden Fall im Geschäft rauchen. „Das hätte ich mir nie träumen lassen“, lacht Bos.


"Ein nettes Schild für jung und alt"


Eine Kölner Galerie bietet das Schild sogar als Kunstobjekt an. „Ich habe das selbst nie als Kunst angesehen. Es ist schönes Design, aber Kunst ist es nicht“, sagt der Erfinder. Eine Erklärung für den durchschlagenden Erfolg hat er selbst nicht so Recht. Die Konkurrenz-Entwürfe waren ihm alle zu aggressiv. „Ich wollte einfach nur ein nettes Schild machen, das junge wie alte Menschen anspricht“.


Dass es vor allem bei der Jugend so gut ankommt, wollen nun sogar einige niederländische Schulen ausnutzen. Das Anti-Kiffer-Logo soll nun Flugblätter zieren, die über die Gefahren des Haschisch-Konsums aufklären. Zum Beispiel: „Weißt Du, dass THC, der Wirkstoff in Hasch und Gras, dein Kurzzeitgedächtnis zerstört? Was du am Anfang einer Stunde gelernt hast, hast du bis zum Ende der Stunde schon wieder vergessen!“

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