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Sonntag, 21 April 2019

Land und Leute

Land und Leute

Mit ihren gut 16 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 41 528 km² gehö ren die Niederlande zu den dichtestbesiedelten Ländern der Welt. Ein Umstand, mit dem sie übrigens ganz gut zurechtkommen. So gut, dass Architekten und Stä dteplaner aus aller Welt zu Besuch kommen, um hier Anschauungsunterricht zu nehmen.

Die meisten Ausländer verbinden mit den Niederlanden Tulpen, Windmühlen und Holzschuhe und viele wissen, dass weite Teile des Landes unter dem Meeresspiegel liegen und dass das Wasser immerzu drängt, die ihm mühsam abgerungenen Landflä chen wieder in Besitz zu nehmen. Doch nur wenigen ist bekannt, dass die Niederlande auf der Weltrangliste der größten Exporteure und Investoren den achten Platz belegen, dass das Land nach den USA und Frankreich weltweit der drittgrößte Exporteur von Agrarprodukten ist und dass es fünfzehn Nobelpreisträ ger hervorgebracht hat.

Kurzum, die Niederländer wohnen zwar auf einem kleinen Fleckchen Erde, haben aber in Vergangenheit und Gegenwart Großes geleistet. Sie betreiben eine richtungweisende Politik in sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragen und wissen sich auch im Sport international zu behaupten.

Brückenbauer
Die Niederlande sind eigentlich ein riesiges Flussdelta: Rhein, Maas und Schelde münden hier ins Meer. Die jahrhundertelangen Anstrengungen auf dem Gebiet des Wasserbaus haben nicht nur das Landschaftsbild entscheidend geprägt. Der unermüdliche Kampf gegen das nasse Element hat sicher auch zur Entschlossenheit der Niederländer beigetragen, wenn es darum geht, das Unmö gliche möglich zu machen.

sababaeras_240Da bei der Wasserregulierung stets sehr widersprü chliche Interessen unter einen Hut gebracht werden mussten, haben sie schon frü h gelernt, Kompromisse zu schließen und eng zusammenzuarbeiten. In internationalen Organisationen und auch in der Europäischen Union fungieren Niederländer deshalb häufig als Brü ckenbauer.

Das Land
Das Königreich der Niederlande besteht aus den Niederlanden selbst und aus einigen Inseln in der Karibik: den Niederländischen Antillen und Aruba. Die Niederlande werden oft auch als Holland bezeichnet. Eigentlich ist dies aber nur der Name einer Region im Westen des Landes, die in der Geschichte eine wichtige Rolle gespielt hat und deren Gebiet in etwa den heutigen Provinzen Nord- und Sü dholland entspricht.

Die günstige Lage am Meer war und ist ein wichtiger Standortfaktor für die niederländische Wirtschaft. Hinzu kommt, dass zwei bedeutende westeuropäische Flüsse - der Rhein und die Maas - hier in die Nordsee münden. Darüber hinaus besitzen die Niederlande mit Rotterdam den größten Seehafen der Welt und können sich daher mit Fug und Recht das Tor zu Europa nennen. Dies gilt übrigens nicht nur für die Schifffahrt. Mit Amsterdam-Schiphol verfügen die Niederlande auch ü ber einen der größten Flughäfen Europas.

Die größten niederländischen Städte liegen zwar sehr nah beieinander, haben sich aber dennoch ihren eigenen Charakter bewahrt. Amsterdam, Utrecht, Den Haag und Rotterdam sind Teil der sog. "Randstad Holland", eines riesiges Ballungsgebiets mit über 10 Millionen Einwohnern. In Amsterdam locken vor allem das historische Zentrum, die Museen und die malerischen Grachten mit ihren prä chtigen Patrizierhäusern zahllose Touristen an.

Aber auch Den Haag, Delft, Haarlem, Utrecht, Groningen und Maastricht können mit vielen historischen Bauwerken, Denkmälern, Museen, Traditionen und Veranstaltungen aufwarten. Rotterdam besticht durch hypermoderne Architektur, z. B. die Erasmusbrücke, von den Rotterdamern auch "der Schwan" genannt.

Küstenschutz
Die vielen Brücken, Deiche, Windmühlen und Schöpfwerke vervollständigen das Bild. Vorläufiger Höhepunkt im Kampf der Niederländer gegen das Wasser sind die sog. Deltawerke, die nach der Sturmflutkatastrophe von 1953 im Bereich der Meeresarme in Seeland und Südholland errichtet wurden. Der letzte Teil dieses gigantischen Hochwasserschutzprojekts, das Sturmflutsperrwerk bei Rotterdam, wurde 1997 fertig gestellt.

Es besteht aus zwei riesigen, beweglich gelagerten Stahltoren, die bei Sturmflutgefahr den 360 m breiten Nieuwe Waterweg abriegeln und damit rund eine Million in und um Rotterdam lebende Menschen vor Ü berschwemmung schützen, ohne dass der Natur große Schäden zugefügt werden. Etwa ein Viertel der Niederlande liegt unter dem Meeresspiegel.

Der größte Teil der "Tiefniederlande" besteht aus flachen Poldern, also eingedeichten Gebieten, in denen der Grundwasserspiegel künstlich reguliert wird. Ab dem 16. Jahrhundert wurden mithilfe von Windmühlen sogar ganze Seen trockengelegt. Heute werden die Polder mit Schöpfwerken trocken gehalten.

Konfessionen
Nach der Reformation im 16. Jahrhundert zerfielen die Niederlande in einen r ömisch-katholischen und einen protestantischen Teil. Die Grenze verlief etwa entlang einer Linie von der Provinz Seeland im Südwesten bis zur Provinz Groningen im Nordosten. Der Teil nördlich dieser Linie war überwiegend protestantisch, der südliche Teil katholisch. Die Protestanten gliederten sich wiederum in zahlreiche Gruppierungen, etwa die Reformierten, die freisinnigen Protestanten und die Lutheraner.

Seit dem 17. Jahrhundert leben in den Niederlanden auch Angehörige des jü dischen Glaubens, vorwiegend Nachkommen von Flüchtlingen aus Spanien und Portugal. Auch viele Hugenotten flohen vor den Verfolgungen in ihrer franzö sischen Heimat in die Niederlande. Später kamen dann Hindus und Muslime aus den ehemaligen niederländischen Kolonien Indonesien und Surinam. Durch den Zustrom von Einwanderern aus diesen Ländern, aus Marokko und aus der Türkei hat die Zahl der Muslime seit den Sechzigerjahren stark zugenommen. Derzeit leben in den Niederlanden fast eine Million Menschen mit islamischem Hintergrund.

sababaker_240Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts nimmt der Einfluss der Kirche in den Niederlanden ab. Dieser Prozess der Säkularisierung setzte zunächst bei den Protestanten ein und erfasste später auch die Katholiken. Man bekennt sich nicht mehr, wie früher, mehr oder weniger automatisch zum Glauben der Eltern. Inzwischen ist ungefähr die Hälfte der Niederländer konfessionslos. Dennoch haben die verschiedenen Glaubensgemeinschaften in der Gesellschaft nach wie vor großen Einfluss.

Die Religionsfreiheit wurde 1848 in der Verfassung verankert. Außerdem gilt in den Niederlanden das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat. Das bedeutet, dass der Staat sich nicht in die inneren Angelegenheiten religiöser oder weltanschaulicher Organisationen einmischen darf und umgekehrt. Der Staat kann allerdings gewisse Rahmenbedingungen festlegen. So ist zum Beispiel im Qualitä tssicherungsgesetz für Einrichtungen des Gesundheitswesens bestimmt, dass das seelsorgerische Angebot in medizinischen Einrichtungen so weit wie möglich auf den Glauben oder die Weltanschauung der Patienten abgestimmt sein muss.

Eine multikulturelle Gesellschaft
Der Begriff "Versäulung" war früher kennzeichnend für die niederländische Gesellschaft. Mit den "Säulen" sind die weltanschaulichen Strömungen (katholisch, protestantisch, sozialistisch und liberal) gemeint, die vielen gesellschaftlichen Organisationen zugrunde lagen. Bei den Medien, im Bildungswesen, im Vereinsleben und in Interessenorganisationen ist dieses Phä nomen bis heute erhalten geblieben.

Die Versäulung hat dazu beigetragen, dass es zwischen den verschiedenen weltanschaulichen Gruppen kaum zu Konflikten kam, da jede Gruppe mehr oder weniger eigenständig neben der anderen existierte. Ü brigens ist in Artikel 1 der niederländischen Verfassung festgelegt: "Alle, die sich in den Niederlanden aufhalten, werden in gleichen Fällen gleich behandelt. Niemand darf wegen seiner religiösen, weltanschaulichen oder politischen Anschauungen, seiner Rasse, seines Geschlechts oder aus anderen Gründen diskriminiert werden."

Es dürfte heute nur sehr wenige Niederländer geben, die keinen Einwanderer unter ihren Vorfahren haben. Gegenwärtig haben rund 10 % der niederländischen Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Heute werden nur sehr wenige Einwanderer ins Land gelassen, da die Niederlande zu den dichtestbevölkerten Lä ndern der Welt gehören. Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühte sich die Regierung sogar aktiv um die Förderung der Emigration.

In den Sechziger- und Siebzigerjahren aber bestand ein Mangel an Arbeitskrä ften, und so wurden zahlreiche Gastarbeiter angeworben. Seit einigen Jahren erhalten Ausländer jedoch nur dann ein Bleiberecht, wenn sie für die Niederlande von wesentlichem Nutzen sind, wenn die Niederlande aufgrund von internationalen Verträgen dazu verpflichtet sind oder wenn die Aufnahme aus dringenden humanitären Gründen angezeigt ist. Für diejenigen Ausländer, die si ch hier niederlassen dürfen, wird eine aktive Integrationspolitik betrieben.

Die niederländische Sprache
Niederländisch ist die Muttersprache von über 22 Millionen Niederländern und Flamen. Darüber hinaus sprechen im Nordwesten Frankreichs 60 000 Menschen einen niederländischen Dialekt. Auch auf den Niederländischen Antillen und Aruba und in der früheren niederländischen Kolonie Surinam wird neben den eigenen Sprachen Niederländisch gesprochen, heute hauptsächlich in Schulen und Behörden.

In Indonesien bedienen sich aufgrund der historischen Bande noch viele Juristen und Historiker des Niederländischen. Das in Südafrika gesprochene Afrikaans hat sich aus dem Niederländischen des 17. Jahrhunderts entwickelt. Andere Sprachen haben zahlreiche Lehnwörter aus dem Niederländischen ü bernommen, besonders auf dem Gebiet der Schifffahrt, des Wasserbaus und der Landwirtschaft.

Die niederländische Sprache wird an etwa 250 Universitäten in aller Welt gelehrt. In Wallonien, in Nordfrankreich und in Deutschland lernen viele Schü ler Niederländisch als Fremdsprache. 1980 gründeten die Niederlande und Flandern die "Niederländische Sprachunion", eine Organisation, die die Stellung des Niederländischen in der Welt fördert und sich intensiv mit Stil- und Rechtschreibfragen beschäftigt und entsprechende Regeln erarbeitet.

In der im Nordosten des Landes gelegenen Küstenprovinz Friesland wird neben dem Niederländischen auch Friesisch gesprochen. Diese offizielle Minderheitensprache ist die Muttersprache von etwa 400 000 Friesen; sie weist viele Gemeinsamkeiten unter anderem mit dem Englischen und den skandinavischen Sprachen auf. Die Unterrichtssprache in den Schulen ist im ganzen Land - also auch in Friesland - Niederländisch.

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